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Neubau oder Bestand als Kapitalanlage?

Eine Bestandswohnung bringt meist mehr Miete pro Euro Kaufpreis, hat aber höhere Risiken bei Instandhaltung. Ein Neubau kostet mehr, macht in den ersten Jahren weniger Arbeit und spart mit 3 % AfA mehr Steuer. Welche Wohnung besser ist, zeigt der Cashflow nach Steuern.

Worin unterscheiden sich Neubau und Bestand?

Neubau und Bestand unterscheiden sich in fünf Punkten, die du direkt in Zahlen fassen kannst:

  • Preis und Miete: Neubauwohnungen kosten je Quadratmeter meist deutlich mehr. Die Miete liegt höher, aber selten im selben Verhältnis. Der Kaufpreisfaktor ist deshalb oft höher.
  • Instandhaltung: In den ersten Jahren fallen im Neubau kaum Reparaturen an. Für Mängel am Bauwerk haftet der Bauträger in der Regel fünf Jahre ab Abnahme (§ 634a BGB). Im Bestand hängt viel davon ab, was schon saniert ist.
  • AfA: Für Gebäude, die ab 2023 fertiggestellt wurden, gelten 3 % statt 2 % im Jahr. Unter engen Voraussetzungen kommen degressive AfA oder Sonderabschreibung dazu.
  • Nebenkosten: Beim Bauträger fällt meist kein Makler an, Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch zahlst du trotzdem.
  • Miete und Mietrecht: Bei der ersten Vermietung einer Wohnung, die nach dem 1. Oktober 2014 erstmals genutzt und vermietet wird, gilt die Mietpreisbremse nicht (§ 556f BGB).

Wie sieht das in Zahlen aus?

Zwei Wohnungen mit 60 m² in derselben Stadt, beide mit 10 % des Kaufpreises plus Nebenkosten als Eigenkapital, 3,50 % Zins, 1,50 % Tilgung und 42 % Grenzsteuersatz. Die Werte der Neubauwohnung sind Annahmen für das Beispiel:

Im ersten JahrBestandNeubau
Kaufpreis240.000 €330.000 €
Kaltmiete im Monat780 €1.000 €
Nicht umlagefähige Kosten90 €50 €
Maklerjanein
Kaufpreisfaktor25,627,5
Nettomietrendite3,11 %3,21 %
Eigenkapital50.400 €57.750 €
AfA im Jahr3.996 €9.046 €
Cashflow vor Steuern−210 €−288 €
Cashflow nach Steuern−95 €−6 €

Die Neubauwohnung bindet 7.350 € mehr Eigenkapital. Vor Steuern ist ihr Cashflow schlechter, nach Steuern besser, weil die höhere AfA mehr Steuer spart. Das gilt nur, solange dein Grenzsteuersatz hoch bleibt. Und die Rechnung hängt an der Annahme, dass im Neubau in den ersten Jahren kaum Kosten anfallen.

Woher der Unterschied nach Steuern kommt, zeigt die AfA der Neubauwohnung:

Neubau: 330.000 € Kaufpreis, 85 % Gebäudeanteil, 3 % AfA
Kaufpreis und Nebenkosten354.750 €
AfA-Basis (85 % davon)301.538 €
AfA im Jahr (3 %)9.046 €
Zum Vergleich: AfA der Bestandswohnung3.996 €

(9.046 € − 3.996 €) × 42 % Grenzsteuersatz

Mehr Steuerersparnis im Jahr2.121 €
Mit diesen Werten rechnen

Welche Risiken hat ein Neubau?

  • Du kaufst oft vor der Fertigstellung. Verzögert sich der Bau, fehlt dir die Miete, während die Finanzierung schon läuft.
  • Gerät der Bauträger in Schwierigkeiten, kann die Fertigstellung teuer werden. Zahl nur nach Baufortschritt, in Raten, wie es die Makler- und Bauträgerverordnung vorsieht (§ 3 MaBV), und prüf, ob der Bauträger schon Projekte abgeschlossen hat.
  • Die Miete ist anfangs eine Annahme. Vergleiche sie mit Neubauwohnungen, die schon vermietet sind.
  • Die Steuervorteile laufen aus. Nach einigen Jahren zählen Miete und Kosten wie bei jeder anderen Wohnung.

Welche Risiken hat eine Bestandswohnung?

  • Sanierungsstau: Dach, Fassade, Fenster, Heizung und Leitungen haben eine begrenzte Lebensdauer. Prüf in den Protokollen, was ansteht und ob die Rücklage reicht.
  • Energetische Anforderungen: Alte Heizungen und schlecht gedämmte Häuser können teure Pflichten oder Beschlüsse der Gemeinschaft nach sich ziehen. Frag nach dem Energieausweis und den Plänen der Gemeinschaft.
  • Bestehende Mietverträge: Du übernimmst Mieter und Miete. Liegt die Miete unter dem Mietspiegel, kannst du sie nur langsam anpassen.
  • Renovierung kurz nach dem Kauf: Mehr als 15 % der Gebäudekosten in drei Jahren kannst du steuerlich nicht sofort absetzen.

Faustregel

Bestand bringt meist mehr Miete pro Euro, Neubau weniger Arbeit und mehr Steuervorteil. Rechne beide mit dem Cashflow nach Steuern und mit realistischen Kosten, nicht mit dem Prospekt. Im Neubau prüfst du den Bauträger, im Bestand die Eigentümergemeinschaft.

Häufige Fragen

Ist ein Neubau wegen der höheren AfA immer besser?
Nein. Die höhere AfA spart Steuer, ersetzt aber keine Miete. Ist der Kaufpreis im Verhältnis zur Miete deutlich höher, kann der Bestand trotz geringerer AfA besser abschneiden.
Gilt die Mietpreisbremse für Neubauten?
Nicht für die erste Vermietung einer Wohnung, die nach dem 1. Oktober 2014 erstmals genutzt und vermietet wurde (§ 556f BGB). Für spätere Mieterhöhungen gelten die üblichen Regeln wie die Kappungsgrenze.
Muss ich beim Neubau Grunderwerbsteuer zahlen?
Ja. Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch fallen beim Kauf vom Bauträger genauso an. Meist entfällt nur der Makler.

Quellen und Stand

Hinweis: Inhalte und Berechnungen dieses Ratgebers dienen nur als unverbindliche Einschätzung (indikativ). Sie sind keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Anlageberatung und ersetzen keine Prüfung im Einzelfall. Gesetze, Zinsen und Preise können sich ändern, maßgeblich ist der Stand oben. Für deine Entscheidung frag im Zweifel eine Steuerberatung, eine Rechtsberatung oder deine Bank.

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